Geschichte

Die Geschichte der Capoeira

Die Geschichte der Capoeira ist untrennbar mit der Geschichte Brasiliens und der Entwicklung des Landes verbunden, welche durch die aus Europa kommenden Kolonialherren unwiderruflich beeinflusst wurde.

Die indigene Bevölkerung überlebte die inhumane Behandlung durch die Portugiesen nicht. Die schlechte Ernährung, die europäischen Krankheiten und die miserablen Arbeitsbedingungen führten beinahe zu deren Ausrottung. Das Aussterben der indianischen Gemeinden war der Hauptgrund für den Import afrikanischer Sklaven nach Brasilien.

Geschichte Capoeira de Angola
Geschichte Capoeira Regional
Geschichte Capoeira Gerais


Johan Moritz Rugendas “Capoeira-Spiel oder Kriegstanz“ von 1835. Dieses Bild wird als erste präzise Abbildung über die Capoeira angesehen.

Nach der Entdeckung im Jahr 1500 sollte Brasilien eines der Länder werden, welches am stärksten von der Sklaverei geprägt wurde. Mit der Anlandung von schwarzen Sklaven in Brasilien begannen die Portugiesen um das Jahr 1548. Während der drei folgenden Jahrhunderte stammten die importierten Sklaven in erster Linie von der linguistischen Gruppe der Bantus ab. Es handelte sich dabei um Völker aus kleinen Königreichen mit vernünftigen Kenntnissen der Landwirtschaft und mit einer grossen Kapazität zur kulturellen Anpassung. In Brasilien fanden die unterschiedlichen ethnischen Gruppen, welche ehemals Rivalen waren, durch ihre gemeinsame Versklavung zusammen und formten eine afrikanische Kultur, die in das brasilianische Kulturgut bedeutende und sehr starke Grundzüge eingebracht hat - unter anderen im Tanz, in der Musik und den Bewegungen des Körpers.

Im Laufe von 400 Jahren wurden mehrere Millionen afrikanischer Sklaven nach Brasilien verschleppt, um dort die harte Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen zu erledigen. Ihre durchschnittliche Überlebenszeit im 17. und 18. Jahrhundert betrug rund sieben Jahre. Viele der Leibeigenen versuchten diesem Leben zu entkommen und durch den Dschungel zu fliehen.

In dieser Zeit und vor diesem Hintergrund entstand die Capoeira. Die Capoeira wurde von den schwarzen Sklaven hauptsächlich als Mittel zur Verteidigung entwickelt. Ebenso vertrieben sich die Sklaven damit die äusserst rare Freizeit, um dadurch die tägliche Tortur und die Schikanen vergessen zu können. Capoeira entstand als ein Instrument der Befreiung gegen ein herrschendes Unterdrückungssystem. Die Entstehung der Capoeira mischt sich mit der Geschichte des Widerstandes der schwarzen Sklaven in Brasilien.


Eine der ersten Abbildungen des Spiels der Capoeira in Farbe

Es kann nicht gesagt werden, aus welchem Ort oder aus welcher Region die Capoeira stammt. Heute geht man davon aus, dass die Capoeira wahrscheinlich gleichzeitig an verschiedenen Orten, wie zum Beispiel Salvador, Rio de Janeiro als auch in Recife (Pernambuco) entstanden ist.

Die Sklavenbefreiung von 1888, bedeutete zwar das Ende des Sklavenregimes, führte jedoch nicht zu einer Akzeptanz der Ex-Sklaven in der weissen Gesellschaft. Im Gegenteil, verschiedene Aspekte der afro-brasilianischen Kultur erfuhren jetzt erst Recht eine rigorose Repression, wie zum Beispiel die Capoeira in Rio de Janeiro und der "Candomblé" (afro-brasilianische Religion) in ganz Brasilien.

In der Capoeira sah vor allem die weisse Gesellschaft eine Art der Rebellion, die schon als Kampfwaffe in unzähligen Fluchtversuchen während der Sklaverei benutzt worden war. Sie galt als Symbol des Widerstandes der schwarzen Ex-Sklaven gegen die Unterdrückung. So wurde die Capoeira auch von der weissen republikanischen Regierung bekämpft, was sich in verschieden gesetzlichen Erlassen der Regierung niederliess.

Ca. um 1930 begann eine neue Ära der Capoeira. In dieser Zeit war die Situation der Capoeiristas in Brasilien nicht gut. Die Capoeiristas galten als gefährlich. Ca. 1930 wurde Manuel dos Reis Machados, (Mestre Bimba) in den Gouvernementspalast von Bahia eingeladen um dort eine Vorführung der Capoeira zu machen, was eine Wende der Akzeptanz der Capoeira einläutete.

Die Capoeira hat bis heute überlebt und wird nun als Nationalsport Brasiliens betrachtet. Auf der ganzen Welt wir sie von einer grossen Anzahl Capoeiristas praktiziert, unabhängig von Hautfarbe, Rasse, Nationalität und sozialer Herkunft.

Zur Vertiefung des geschichtlichen Hintergrunds wird auf die Seite der Mestres verwiesen.

Capoeira de Angola

Die Capoeira Angola wird als ursprüngliche Art der Capoeria angesehen, deren Wurzeln aus Afrika stammen, aber erst in Brasilien als Capoeira de Angola (Capoeira aus Angola) oder Capoeira Mãe (Mutter Capoeira) bekannt geworden ist. Die Capoeira Angola wurde von den Bewegungen der Tiere inspiriert, insbesondere vom Tanz der Zebras, die nur die Beine und den Kopf bei einer kämpferischen Auseinandersetzung gebrauchen.

Bei der Capoeira Angola kleiden sich die Capoeiristas traditionell. Sie tragen eine Kombination aus schwarzer Hose und gelbem T-Shirt oder Hemd mit der Bezeichnung der Gruppe. Dies geht ursprünglich auf einen Fußballclub zurück, dessen Fan Mestre Pastinha gewesen sein soll. Alternativ sieht man auch weiße Hosen mit Ledergürtel und weißes T-Shirts mit der Gruppenbezeichnung.

 


Foto von Angoleiros, die auf der Strasse Capoeira spielen

Capoeira Regional

Anfang des 20. Jahrhunderts begann Mestre Bimba eine Variante der traditionellen Capoeira zu entwickeln. Diese Version nannte er Luta regional Baiana resp. Capoeira Regional.

Mestre Bimba sorgte sich um die kämpferische Effizienz der Capoeira, die langsam verloren zu gehen schien. Denn der grösste Teil der Capoeiristas von Salvador praktizierte Capoeira nunmehr lediglich als Touristenattraktion. So wurde die Capoeira mehrheitlich zu einer Akrobatikshow für Touristengruppen. Dieser Entfremdung der Capoeira von seiner ursprünglichen Bestimmung wollte Mestre Bimba mit der Capoeira Regional Einhalt gebieten.

 


Roda Globus Zürich 2005


Mestre Bimba entschloss sich daher, eine Capoeira-Methode zu erschaffen, welche die kämpferische Seite des Befreiungskampfes der Sklaven hervorheben sollte. Dazu sollten verschiedene Techniken anderer Kampfsportarten, wie zum Beispiel des Batuque und des Boxens integriert werden.

Unter Bewahrung der traditionellen Capoeirabewegungen und Rituale wurde die Capoeira Regional zu einer aggressiveren, weniger akrobatischen Kampfsportart entwickelt, welche sich durch höher angesetzte und schnellere Trittfolgen charakterisiert. Die Capoeira Regional beinhaltete Kombinationen von Tritten und Schlägen der Ellbogen sowie Hände. In der Capoeira Regional ist der "passo a dois" (chamada) nicht gebräuchlich. Stattdessen kann die "volta ao mundo" (mit Vorsicht) gemacht werden. Nur der höhere Gurt darf jedoch die "volta ao mundo" beginnen. In der Capoeira Regional "kauft" der Capoeirista das Spiel oder geht zu zweit in die Roda hinein. Das Spiel darf nicht ?gekauft", werden wenn zwei höhere Gürtel am spielen sind. Es zeugt von mangelndem Respekt, wenn man einem höheren Capoeirista die Schulter zeigt. In der Capoeira Regional singt man zudem nur "quadras", chulas" oder "corridos".

In der Stilrichtung Capoeira Regional gibt es traditionell nur die Kombination weiße Hose / weißes T-Shirt mit Bezeichnung der Gruppe. Zusätzlich wird eine Kordel zur Kenntlichmachung der Graduierung des Trägers als Gürtel für die Hose verwendet.

Die Geschichte
von Capoeira Gerais

Die Gruppe Capoeira Gerais wurde am 5. Februar 1993 von Mestre Mão Branca in Belo Horizonte, dem Bundesstaat Minas Gerais gegründet.

Mestre Mão Branca vereinigte die Philosophie und das Gelernte seiner beiden Mestres, Mestre Jacare und Mestre Gigante. Das Spiel der Capoeira von Capoeira Gerais basiert auf dem Fundament von Capoeira Angola und Capoeira Regional.

 


Akademie von Mestre Mão Branca in Belo Horizonte

Für die Gruppe Capoeira Gerais hat die Zahl drei eine grosse Bedeutung. Diese Zahl erscheint daher in vielen Bereichen von Capoeira Gerais.

Fuss, Hand und Kopf Capoeira wird mit Fuss, Hand und dem Kopf gespielt.
Garra, União & Força Der Gruss der Capoeiristas symbolisiert
Garra (Klaue des Adlers), União, Força Kampfgeist, Gemeinschaft, Kraft
Drei Berimbaus Bei Capoeira Gerais wird das Spiel in der Roda von drei verschieden grossen Berimbaus begleitet (dem Gunga, dem Medio und dem Viola).
Drei Sterne Das Logo von Capoeira Gerais zeigt drei gelbe Sterne.
Der Hauptsitz von Capoeira Gerais ist in Belo Horizonte, im Bundesstaat Minas Gerais, wo Mestre Mão Branca selbst seine Schule hat. Es gibt weitere Schulen von Capoeira Gerais z. B. in Rio de Janeiro, São Paulo, Salvador, Recife. Ebenfalls wurden mittlerweile Schulen in Chile, Peru, Deutschland, Frankreich, Spanien, Polen, in den USA sowie in der Schweiz eröffnet. Auf der Linkseite könne die entsprechenden Homepages der Gruppen angewählt werden.
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